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04.04.2020:

Polarfuchs im Winter

Im Feburar diesen Jahres verbrachte ich zwei wunderbare Wochen in Island. Es war eine sehr abenteuerliche Reise, das Wetter war nicht immer einfach und es verlief deshalb nicht alles nach Plan aber genau das machte es noch spannender. Highlight dieser Reise war es den Polarfuchs im Winter zu fotografieren. Mit den nachfolgenden Zeilen möchte ich euch daran teilhaben lassen.

Island, Hornstrandir, 17.02.2020: Es stürmt, eingepackt in meinen warmen Daunenparka stehe ich draußen. Die Kapuze übergezogen, mit dem Rücken im Wind, peitscht der Sturm den Schnee um mich. 

Meine Kamera mit dem großen Teleobjektiv halte ich schützend nach unten gerichtet fest an mich gedrückt, um im entscheidenden Moment bereit zu sein.

Die Zeit vergeht schnell, viele Gedanken gehen mir während des Wartens durch den Kopf, wird heute endlich der Tag sein?

Jedenfalls wäre die Stimmung für Fotos im Sturm ideal. Auch wenn es nicht sonderlich angenehm ist hier draußen auszuharren, gibt es in diesem Moment keinen Ort auf der Welt an dem ich jetzt lieber sein möchte.

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Dabei war es in den letzten Tagen alles andere als klar, ob ich in diesem Winter überhaupt noch die Gelegenheit bekommen würde den Polarfuchs zu fotografieren. Bereits auf der Anreise über Reykjavik am Mittwoch lies der Wetterbericht gar nichts gutes erahnen. Vorhergesagt wurde ein Jahrhundertsturm der am Freitag Island treffen würde.

Als ich bei strahlendem Sonnenschein am Donnerstag in Isafjördur ankam, hätte ich mir keinesfalls erwartet, dass ich bis zum Sonntagmorgen aufgrund des Sturms und dementsprechend rauer See dort festsitzen würde.

Sonntagmorgen war es dann soweit, unsere Gruppe belud das Boot, das uns ins Naturschutzgebiet Hornstrandir weit draußen in den Westfjorden bringen sollte. Ziel war es im weit abgelegenen und nur per Boot oder im Notfall per Helikopter erreichbaren Gebiet den Polarfuchs zu fotografieren. Im Gespräch mit einigen Einheimischen wurde mir öfters die Frage gestellt, ob wir wirklich im Winter dort raus fahren wollten. Ja, das wollten wir unbedingt!

Wie uns unser Kapitän mitteilte, wäre dies die einzige Chance überhaupt noch dorthin zu kommen, der nächste Sturm war bereits unterwegs und würde eine spätere Fahrt unmöglich machen. Die Situation war also folgende. Wir hatten einige Stunden Zeit rauszufahren und an Land zu kommen bis der nächste Sturm kommen würde. Nach diesem Sturm sollten wir einige Tage akzeptables Wetter haben bis der nächste große Sturm aufziehen würde. Wir hatten also nur ein schmales Zeitfenster von 4 Tagen. Alles oder nichts also. 

Die Fahrt mit dem Boot war heftig. Bisher hatte ich noch nie irgendwelche Probleme mit Seekrankheit gehabt, aber diesmal kam selbst ich an meine Grenzen. Die Fahrt dauerte Aufgrund der aufgewühlten See über drei Stunden. Zwei Stunden länger als normal. Die letzten paar hundert Meter vom Boot zum Strand mussten wir mittels Zodiac überwinden. Schließlich schafften wir es die Ausrüstung, Verpflegung usw. an Land zu bringen und bezogen unser Quartier für die nächsten Tage. Kurz nach unserer Ankunft erreichte uns bereits der nächste Sturm und nun einen Tag später stürmt es noch immer und ich stehe draußen und warte.

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Dann geht plötzlich alles ganz schnell. Wie so oft, wenn man es sich am wenigsten erwartet, taucht im weißen umherwirbelnden Schnee eine kleine dunkle Silhouette auf. Erst weit entfernt und ganz klein, nähert sich die Silhouette stetig meiner Position.

Das Adrenalin schießt ins Blut, die Aufregung steigt. Wie bei vielen tausend Fotos vorher, startet der übliche routinierte Ablauf. Wie automatisch lege ich die Kamera an, schaue durch den Sucher, verfolge mein Motiv, baue mein Bild auf, setze den Fokus und sobald ich dazu bereit bin drücke ich den Auslöser meiner Kamera. 

Sicherheitshalber nehme ich gleich eine ganze Serie auf und lasse den Auslöser wieder los. Ist das gerade wirklich passiert oder träume ich?

Gespannt richte ich meine Kamera wieder nach unten und kontrolliere die Bilder auf dem Display. Tatsächlich habe ich gerade meine ersten Fotos eines Polarfuchses im Winter aufgenommen. So lange hatte ich von diesen Bildern geträumt und nun ist dieser flüchtige Moment wirklich auf die Speicherkarte meiner Kamera gebannt.

In den nächsten Tagen hatte ich zum Glück noch öfters die Gelegenheit den Polarfuchs zu fotografieren, die Intensität dieser ersten Aufnahmen konnten die folgenden Aufnahmen aber nicht übertreffen.

18.08.2019

Polarfuchs in Island

Über zwei Jahre sind vergangen als ich das erste Mal mit dem Gedanken gespielt habe den Polarfuchs in Islands Nordwesten zu fotografieren.
Nach den ersten genaueren Recherchen wurde mir schnell klar, dass sich diese Idee wohl nicht so ohne Weiteres realisieren lassen wird. Das Projekt “Polarfuchs” musste erstmal warten, da ich gleichzeitig ja auch noch an einigen anderen Projekten arbeitete.

Ganz abschreiben konnte ich die Idee vom Polarfuchs allerdings nie, so kam es auch, dass ich im Frühjahr 2018 wieder mit der Planung begann. Nach einigen Rückschlägen gelang es mir dann über Umwege einen Kontakt zu einem Fotografen herzustellen der sich seit 10 Jahren mit dem Polarfuchs in Island beschäftigt. Im Juli 2018 stand dann definitiv fest, dass ich im Juli 2019 nach Island reisen würde um dort als Teil einer vierköpfigen internationalen Gruppe von Fotografen den Melrakki (islandisch für Polarfuchs) zu fotografieren.

Mitte Juli diesen Jahres war es dann soweit, nach einem scheinbar unendlichen Jahr des Wartens ging es nach Island. Insgesamt war es für mich eine sehr erfolgreiche, spannende aber auch anstrengende Zeit. Die unglaublichen Eindrücke die ich von dieser rauen Insel im Nordatlanik mitgebracht habe sind nur schwer in Worte zu fassen, deshalb möchte ich einige Bilder mit euch teilen.

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© 2020 by HANNES PAULMICHL Nature Photography

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